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Plastisches Gestalten mit Speckstein - ein Arbeitsbeispiel in 8 Schritten

1. Einen Stein aussuchen

Der Bildhauer Fabio Secco ist der Meinung, dass man bei dieser wichtigen Entscheidung ruhig intuitiv vorgehen, sich von dem Stein selbst inspirieren lassen sollte. Wenn man aber ein konkretes Motiv vor Augen hat, ergeben sich daraus selbstverständlich bestimmte Auswahlkriterien, denen man Rechnung tragen sollte: Für eine Figur wird man nicht denselben Rohling aussuchen wie für eine abstrakte Form oder für einen geometrischen Körper. Ein wichtiges Entscheidungskriterium ist die Struktur des Steins: vor allem für Einsteiger sind kompakte, dichte Steine leichter zu bearbeiten als schichtig gelagerte, die leichter splittern und übrigens auch für den Außenbereich nicht geeignet sind.


Es ist ratsam, den Stein anzuschleifen und anzufeuchten, um einen ersten Eindruck von seiner natürlichen Färbung zu gewinnen (auch wenn diese nach dem Polieren noch wesentlich intensiver wird). Auch die so teilweise freigelegte Maserung des Steins sollte berücksichtigt werden: Adern markieren potentielle Bruchstellen. Das sollte man bedenken, wenn man diese Partie der Skulptur in Angriff nimmt und zum entsprechenden Werkzeug greifen.

 

2. Die Grobform

Nachdem er einen Rohling ausgesucht und eine glatte Scheibe aus dem Stein herausgesägt hat, zeichnet Fabio die Form, die er im Sinn hat, mit Hilfe eines dicken Bleistifts vor. Danach sägt er die Grobform aus - so entsteht das Werkstück, das er dann mit Hilfe von Raspeln und Feilen weiterbearbeitet.

 

UNSER TIPP: Wenn die erste Skizze im Laufe des Arbeitsprozesses verwischt wird, können Sie diese auch nachritzen.

BENÖTIGTES MATERIAL: Spezialsäge und kleiner Fäustel (Best.-Nr. 52200 und 52907) und Rundraspel (Best.-Nr. 52401).

 

3. Das Skulptieren

Fabio ist mit den groben Umrissen seiner Skulptur zufrieden. Jetzt geht er die eigentliche kreative Phase an. Er beginnt mit der Rückenflosse des Delfins, die er aussägt. Dann greift er zur Riffelraspel, um den gewölbten Rücken des Meeressäugers herauszuarbeiten. Diese Spezialwerkzeuge spielen eine wichtige Rolle in jener Phase der Specksteinbearbeitung, in der die Skulptur sich ihrer endgültigen Form annähern soll. Mit ihrer Hilfe gräbt sich der Bildhauer nachgerade in den Stein, legt sein Innerstes bloß und lässt sich von dem inspirieren, was da zu Tage kommt...

Diese Arbeitsphase ist zweifelsohne die langwierigste und die komplizierteste. Deshalb ist es wichtig, sich Zeit zu lassen, das Objekt immer wieder aus alles Blickwinkeln kritisch zu betrachten und ruhig auch mal eine schöpferische Pause einzulegen. Dadurch gewinnt man Abstand und begutachtet dann die bisher geschaffene Form mit neuen Augen.

Wenn man sich bei der Formsuche immer mal wieder unterbricht, um den Stein anzuschleifen und anzufeuchten, kann man bereits Farbe und Maserung des Steins entdecken und diese Faktoren eventuell noch in den Gestaltungsprozess einbeziehen.



BENÖTIGTES MATERIAL: Außer dem Fäustel und der Rundraspel, die bereits erwähnt wurden, hat Fabio Secco folgende Werkzeuge benutzt: einen 12 mm-Meißel (Best.-Nr. 52917), die Riffelraspel Best.-Nr. 52901, die eine flachovale, leicht gebogene und eine messerförmige Seite aufweist, sowie eine große Riffelraspel (beidseitig spitz, gebogen, eine Seite grober Feilenhieb, eine Seite grober Raspelhieb, Best.-Nr. 52845).

 

4. Die Suche nach der endgültigen Form

In dieser entscheidenden Arbeitsphase sollte man vor allem die Proportionen der werdenden Skulptur immer wieder einer kritischen Prüfung unterziehen. Fabio achtet streng darauf, dass jeder Körperteil seines Delfins in einem realistischen Größenverhältnis zu den anderen steht.

Das Objekt sollte nie unbeweglich auf dem Modellierblock liegen bleiben, sondern immer wieder umgedreht und aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und auch in einer anderen Position bearbeitet werden. Der geübte Bildhauer hat jetzt schon ein sehr klares Bild der fertigen Skulptur vor Augen.

 

5. Einfach ideal:
Riffelraspeln mit zwei unterschiedlichen Seiten


Riffelraspeln mit zwei unterschiedlichen Seiten (wie zuvor beschrieben) haben sich in dieser Arbeitsphase sehr bewährt, denn sie ermöglichen dem Künstler verschiedene Arbeitsansätze, ohne das Werkzeug wechseln zu müssen. Fabio weiß dieses Instrument wirklich optimal zu nutzen, und die Detailarbeit an dem Meeressäuger schreitet rasch voran. Für die Schwanzflosse greift er nochmals zu Fäustel und Meißel.

 

6. Der Sockel

Fabio hat die endgültige Gestalt des Delfins genau verinnerlicht und feilt noch an einigen Details, während er gleichzeitig an dem Sockel der Skulptur arbeitet. Auch hier ist die Riffelraspel von großem Nutzen: Der Sockel wird ebenso formschön wie praktisch.

 

7. Der Feinschliff

Die Riffelraspel hat Werkspuren auf der Oberfläche des Steins hinterlassen. Fabio beseitigt sie mit Hilfe eines Schleifschwamms. Die Haut des Delfins soll perfekt glatt werden. Die ganze Schönheit der natürlichen Färbung und der Maserung des Steins tritt so nach und nach zu Tage.

Der Künstler kann jetzt schon sehr gut beurteilen, wie weit seine Suche nach einer ebenso realistischen wie harmonischen Form gediehen ist. Damit alle Details sichtbar werden, spült er die Skulptur regelmäßig mit sauberem Wasser ab, um den Steinstaub zu entfernen. Anschließend nimmt er die letzten kleinen Korrekturen vor. Um noch effizienter zu glätten, greift Fabio jetzt zum Nassschleifpapier, das er gründlich mit Wasser tränkt.

 

BENÖTIGTES MATERIAL: Schleifschwämme (Best.-Nr. 52105-52107), Nassschleifpapier (Best.-Nr. 57600-57609)

 

8. Das Polieren

Nach dem Auftragen der Politur wird der Stein seine natürliche Schönheit Preis geben � Die Farben werden intensiver und die Maserung erscheint wie durch Zauberei - ein ganz besonderer Moment für den Bildhauer!

Da die Skulptur während der vorhergehenden Arbeitsphase gründlich durchnässt wurde, wartet Fabio ab, bis sie ganz durchgetrocknet ist.

Anschließend geht er kurz mit einem weichen Lappen über sein Werk und trägt dann das Polieröl mit einem breiten Haarpinsel auf. Dieses Produkt schützt die Oberfläche des Specksteins und verleiht ihr einen matten Glanz. Der Delfin ist fertig und findet einen Platz in der Galerie des Künstlers.

 

BENÖTIGTES MATERIAL: ein weicher, nicht flusender Lappen, ein breiter Haarpinsel (Best.-Nr. 22494) und Speckstein-Polieröl (Best.-Nr. 52180).

Speckstein - oder der leichte Einstieg in die Bildhauerei

Zum plastischen Gestalten mit Speckstein benötigt man nur ein Minimum an Werkzeug und Material. Auf dem Foto links sind alle Hilfsmittel abgebildet, derer sich Fabio Secco bedient hat, um diese schöne Speckstein-Skulptur zu schaffen.

In unserem Gesamtkatalog finden Profis und Einsteiger auf rund 15 Seiten alles rund um das Thema Speckstein: Rohlinge in verschiedenen Gewichtsklassen und Sortierungen sowie in vielen attraktiven Farben, Spezialwerkzeug, Schleifmittel, Polituren und natürlich Fachliteratur.

Unser Arbeitsbeispiel zeigt, dass sich eine attraktive kleine Tierplastik aus einer einfachen Grundform in acht übersichtlichen Arbeitsgängen mit wenigen ausgesuchten Hilfsmitteln gestalten lässt. Hoffentlich haben Sie Lust bekommen, es selber einmal zu versuchen?

Mit Speckstein kann man praktisch nichts falsch machen, denn ist er erst einmal poliert, wird auch aus der bescheidensten Skulptur ein dekoratives Objekt. Wie wir gesehen haben, ist der kritischste - aber auch der spannendste und damit vielleicht attraktivste - Arbeitsgang der des eigentlichen Skulptierens. Wer hier Zeit und Geduld investiert, kann es bei der unermüdlichen Suche nach der idealen Form, zu erstaunlichen Resultaten bringen, die er oder sie sich vielleicht nie zugetraut hätte.

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