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Startseite > Online-Magazin > Speckstein > Ausführliche Anleitung > Auswahl des Steines


Specksteinbearbeitung Schritt für Schritt

Am Anfang steht die Auswahl eines geeigneten Steins

Ein Specksteinrohling ist keine tote Masse - durch das geheimnisvolle Spiel seiner Farben und verborgenen Adern, durch seine oft bizarre Form und seine eigentümliche Schichtung ist er ein Unikat und gewinnt quasi ein Eigenleben. Betrachten Sie ihn zunächst ausführlich von allen Seiten und aus jedem Blickwinkel, befühlen Sie ihn und lassen Sie das Material sprechen - oft verlangt ein Stein geradezu danach, ein bestimmte Form aus ihm herauszuarbeiten, sei es ein geometrischer Körper oder eine seltsame Fantasiegestalt.

 

Jeder Stein ist einmalig

Speckstein ist ein Naturprodukt. Wir haben nur bedingt Einfluss auf Farben und Gewichte, überhaupt keinen Einfluss aber auf die von Natur aus gegebenen Formen und Maße der Bruchstücke. Wenn Sie bei Ihrer Bestellung einen Farbwunsch nennen, werden wir uns selbstverständlich bemühen, diesen zu erfüllen: Weiß, Braun, Hell- bis Dunkelgrün, Hell- bis Dunkelrosa, Gelblich, Anthrazit oder Schwarz. In jedem Fall kommt die Farbe und Maserung des Steins erst nach dem Glätten und Polieren zum Vorschein.


Eine Stein gewordene Idee oder eine aus dem Stein geborene Idee?


Wenn man seinen Stein mit Augen und Händen abgetastet, sich sozusagen mit ihm vertraut gemacht und seine Eigenheiten verinnerlicht hat, sind grundsätzlich zwei Vorgehensweisen möglich: Entweder man hat sein Motiv genau vor Augen, weiß wie das fertige Objekt aussehen soll und versucht dann, dieses aus dem Rohling herauszuarbeiten, der dann allerdings etwas größer sein sollte als die gedachte Form.

Oder aber man lässt sich von dem Stein, seiner groben Form, seinen Rissen, Dellen, Löchern und Flächen inspirieren, folgt den Assoziationen, die der Stein weckt. In diesem Falle wächst die Skulptur direkt aus der Materie. Das Bild des vollendeten Werkes, das der Künstler vor Augen hat, wächst gewissermaßen mit, kann sich sogar im Laufe des Gestaltungsprozesses verändern, passt sich flexibel an die immer neue Gestalt des Steins an. Diese Variante ist unter künstlerischen Gesichtspunkten vermutlich die Interessantere.

Einsteiger sollten sich an einem Stein mittlerer Größe versuchen, der ein gewisses Gewicht hat, gut aufliegt und kleine Schnitzer verzeiht. Feine Details aus einem nur faustgroßen Stein herausarbeiten zu wollen, kann zu Beginn, wenn man noch nicht wirklich abschätzen kann wie Material und Werkzeug aufeinander reagieren, frustrierend sein. Einfache, abstrakte Formen oder stilisierte Tiergestalten bieten sich für erste Versuche an.


Die vollkommene Freiheit des künstlerischen Schaffens

Nehmen Sie sich am Anfang vorzugsweise einfache geometrische oder abstrakte Formen vor - das ist die beste Methode, die Steinbearbeitung autodidaktisch zu erlernen. Probieren Sie in aller Ruhe alle Ihnen zur Verfügung stehenden Werkzeuge und ihre Wirkung auf den Stein aus : Sägen, Feilen, Riffelraspeln, Bohrer, Schleifpapier oder -schwämme. Es gibt keine feststehenden Regeln dafür, welches Instrument, in welcher Reihenfolge für welchen Effekt einzusetzen ist.

Try and error ist hier eine altbewährte Devise. Intuition spielt in der Bildhauerei eine große Rolle. Man muss lernen, den Stein zu erfühlen, seine Reaktionen vorauszuahnen. Man sollte sich dabei nicht all zu sehr darauf versteifen, wie ein Detail oder gar die fertige Skulptur im Ganzen aussehen sollte. Lassen Sie sich selbst die Freiheit, Ihr Projekt in ständigem Wechselspiel mit der Materie weiterzuentwickeln oder spontan umzudenken. Ein Fehlschlag mit dem Meißel, ein Schnitzer mit der Säge? Keine Katastrophe � gerade aus solchen Fehlern entstehen oft die interessantesten Formen oder wunderbar skurrile Details. Große Meister der Bildhauerei wussten das von jeher und bezogen diese Schnitzer einfach in ihre Arbeit ein. Sie können also unbesorgt und ohne Komplexe loslegen. So macht Specksteinbearbeitung noch mehr Spaß!

Eine spontane Kunst

Wenn die Form des Rohlings Sie an ein Nashorn erinnert, schnitzen Sie doch ein Nashorn aus diesem Stein. Wenn die Skulptur im Laufe des Projekts mehr einem dicken Maikäfer ähnelt, einfach flexibel reagieren und das Käferprojekt in Angriff nehmen. Und wenn auch das zu kompliziert wird, warum nicht auf eine abstrakte Form umsteigen? Am Ende, wenn der Stein geschliffen und poliert ist und seine wahre Farbe und Maserung zum Vorschein kommen, sind alle Objekte schön und einmalig.


Von den Eigenarten des Steins profitieren


Von Natur aus ist jeder Specksteinblock mehr oder weniger blätterig strukturiert. Anfänger sollten jedoch für ihre ersten Versuche möglichst kompakte, dichte Steine auswählen, da bei solchen die Gefahr eines unkontrollierten Abplatzens von Teilstücken geringer ist. Für Skulpturen, die im Freien aufgestellt werden sollen, sind schichtig gelagerte Steine ebenfalls nicht geeignet. Speckstein ist immer von einem verborgenen Netzwerk feinster Risse und Adern durchzogen, die jedoch bei der Bearbeitung in keinster Weise stören. Im Gegenteil tragen sie wesentlich zu dem faszinierenden Spiel der Farben der vollendeten, polierten Skulptur bei, so wie gerade die natürlichen Linien und Knoten der Maserung den Charme einer Holzschnitzerei ausmachen. Mit zunehmender Erfahrung lernt der Bildhauer, das farbige Eigenleben und die Struktur eines rohen Blocks zu erahnen und in sein Projekt einzubeziehen, die natürliche Ausdruckskraft und die ureigene Schönheit des Steins für sich sprechen zu lassen.

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